Die glücklichen JUNIOR-Bundessieger aus dem Jahr 2014 (Foto: HI-REG)Die neue Runde der JUNIOR Schülerfirmen startet wieder. Das Programm unterstützt junge Menschen dabei, eigene praktische Erfahrungen bei der Gründung eines Unternehmens in Form einer Schülerfirma zu machen. Was bedeutet es, ein Unternehmen zu gründen und zu führen? Welche Kompetenzen braucht man in einem Team und welche Rollen ergeben sich daraus? Die Schüler:innen können auf diese Weise auch viel über ihre eigenen Fähigkeiten und die Bedeutung der Teamarbeit lernen. Dieses Angebot gibt es für verschiedene Altersklassen. Die HI-REG und das EXPLORE Sciencenter sind Kooperationspartner und haben die Partnerschaft in diesem Jahr intensiviert. Über das EXPLORE Sciencenter ist es ab sofort auch möglich, sich als Schülerfirma unterstützen zu lassen.
Vor 7 Jahren hat Simon Diehl sehr erfolgreich an dem Programm teilgenommen. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

Sehr geehrter Herr Diehl, Sie haben 2014 als Schüler am JUNIOR-Programm teilgenommen und haben gemeinsam mit Ihren Mitschüler:innen die Schülerfirma „Plattenspiel“ gegründet, mit der Sie sogar beim Bundeswettbewerb „Bestes JUNIOR-Unternehmen 2014“ geworden sind. Wie ist das Projekt damals entstanden?

Simon Diehl: Das Programm JUNIOR Schülerfirmen wurde damals an meiner Schule, dem Andreanum, als Seminarfach angeboten. Wir konnten diesen Kurs neben anderen Kursen wie Kunst o.ä. wählen. Das Interesse an JUNIOR war so groß, dass die Schüler:innen ausgelost werden mussten. Ich war einer von den Glücklichen, die ausgelost wurden. Gemeinsam haben wir dann in diesem Kurs viele Ideen für eine Firmengründung zusammengetragen.

Wie ist dann die Idee für das Produkt entstanden, das es am Ende geworden ist?

Simon Diehl: Unser Hauptkriterium war damals das Thema Nachhaltigkeit. Wir haben dahingehend Ideen gesammelt und überlegt, ob es eine Dienstleistung oder ein Produkt sein soll. Dann entstand die Idee, aus einer alten Vinyl-Schallplatte einen Brotkorb zu machen und damit alten Schallplatten neues Leben einzuhauchen. Vinyl ist hitzeempfindlich und damit bei Erwärmung verformbar. Das hat uns so gut gefallen, dass wir angefangen haben, verschiedenes auszuprobieren. Wir haben eine Schallplatte in den Ofen gelegt und von oben mit einem Stein beschwert. Dadurch hat sie sich nach unten gewölbt und sah aus wie eine Schale. Daraus haben wir dann immer mehr Produktideen entwickelt.
Der Vater eines Schülers hatte eine Firma und eine CNC-Fräse. Wir durften dort unsere verschiedenen Produkte dann herstellen.

Welche Rolle haben Sie damals in der Schülerfirma übernommen?

Simon Diehl: Es gab verschiedene Abteilungen, in die wir uns aufgeteilt haben: z.B. hatten wir zwei Geschäftsführer und Mitarbeiter:innen für den Bereich Finanzen, Marketing und Produktion.
Ich war in der Abteilung Produktion. Inzwischen weiß ich, dass ich gut mit Zahlen umgehen kann und mir das Spaß macht, deshalb würde ich mich heute dem Bereich Finanzen zuordnen.

Was haben Sie daraus gelernt?

Simon Diehl: Ich habe auf jeden Fall daraus gelernt, dass nichts ohne einen vernünftigen Austausch und eine gute Kommunikation funktioniert. Alleine wäre so ein Projekt definitiv nicht möglich. Man ist also aufeinander angewiesen.
Ich habe auch erfahren, dass ich in der Produktion nicht richtig bin, sondern dass ich ein Zahlenmensch bin. Das war sehr hilfreich für meine späteren Entscheidungen.

Würden Sie es Schüler:innen heute empfehlen, am Programm teilzunehmen und warum?

Simon Diehl: Ich kann jeder Schülerin und jedem Schüler die Erfahrung nur ans Herz legen. Auch wenn man vielleicht mit der Firma in den Wettbewerben nicht so erfolgreich ist, wie wir es mit „Plattenspiel“ gewesen sind, nimmt man auf jeden Fall etwas für das Leben mit.

In welcher Form und wie hat die Schule Sie dabei unterstützt?

Simon Diehl: Unser Lehrer Herr Jahn hat uns unterstützt, wo wir es gebraucht haben und uns am Anfang natürlich in der Strukturfindung begleitet. Doch dann hat er uns frei unsere Entscheidungen treffen lassen. Wir hatten dann jede Woche im Unterricht auch gemeinsame Termine, damit wir die Hauptaufgaben und die Richtung miteinander abstimmen konnten.

Hat die HI-REG damals eine Rolle gespielt?

Simon Diehl: Ja, die HI-REG hat zum Beispiel unsere Feierstunde organisiert und tatsächlich konnten wir vor allem nur durch die Unterstützung der HI-REG damals alle zusammen nach Estland zum europäischen Wettbewerb fahren. Denn nachdem wir den Bundeswettbewerb gewonnen hatten, ging es ja noch eine Runde weiter. Dafür war vom JUNIOR Programm vorgesehen, dass nur 5 Schüler:innen hätten mitfahren können. Die HI-REG hat sich für eine Förderung stark gemacht, so dass wir nachher tatsächlich alle gemeinsam nach Estland fahren konnten. Das war richtig gut für unser Team, alles bis zum Ende zusammen erleben zu können.

Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Simon Diehl: Der imposanteste Augenblick für mich war die Preisverleihung beim Bundeswettbewerb in Berlin. Die drei besten Plätze wurden nacheinander aufgerufen. Wir wussten, dass ein paar starke Projekte dabei waren und haben natürlich trotzdem gehofft, dass wir eine Platzierung erreichen. Aber sicher sein, kann man sich ja nie. Zuerst wurde der dritte Platz aufgerufen. Danach der zweite. Als das auch nicht unsere Firma war, waren wir enttäuscht. Wir haben schon die Köpfe hängen lassen. Und dann wurde plötzlich verkündet, dass wir den ersten Platz gewonnen haben. Da wurde natürlich gejubelt!

Was ist aus „Plattenspiel“ geworden?

Simon Diehl: Wir hatten uns nach dem Abschluss überlegt, ob wir aus Plattenspiel eine GbR machen und das Unternehmen fortführen. Doch wir haben uns dagegen entschieden. Viele sind zum Studium etc. woanders hingegangen. Mit einigen Mitschülern bin ich heute noch immer befreundet. Der größte Teil meiner Mitschüler:innen haben sich beruflich für ähnliche Bereiche entschieden, wie sie auch in unserer Schülerfirma bearbeitet worden sind. BWL, International Management oder auch Finanzmanagement. Wir haben anscheinend alle etwas von diesem Projekt mitgenommen.

Sie schreiben aktuell eine Projektarbeit zum Thema „Existenzgründung“. Genauer gesagt zu Persönlichkeitseigenschaften von Gründern. Inwiefern hat JUNIOR Ihre Berufswahl beeinflusst?

Simon Diehl: JUNIOR hat meine Berufswahl rückblickend sehr beeinflusst. Ich habe bei „Plattenspiel“ viel gelernt. Auch über mich. Das hat mir Sicherheit in meiner Berufswahl gegeben. Mit meiner Begeisterung für Zahlen werde ich nun bald meine Bachelorarbeit im Bereich Strategieentwicklung & Controlling schreiben.

Vielen Dank, Herr Diehl, für das spannende Interview! Wir wünschen Ihnen ganz viel Erfolg für Ihr Studium und Ihren weiteren Lebensweg!

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