GRW-Mittel und ihre Wirkung

„Wir sind stolz darauf, Fördermittel bekommen zu haben“, sagt Unternehmer Friedrich Aly. Im Interview (s. unten) erzählt er, wie er von der so genannten GRW-Förderung profitiert hat. Welche Neuigkeiten es hierbei gibt, zeigen wir ebenfalls.

Investitionen sichern die Zukunft eines Unternehmens – und bedeuten häufig einen hohen finanziellen Aufwand. Unterstützung können Fördermittel leisten und auch regionale Betriebe können daran partizipieren. Seit dem Jahr 2014 ist die Region Hildesheim wieder Zielgebiet der so genannten „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), die aktuelle Förderperiode dauert bis zum Jahr 2020.

Seitdem kleine und mittlere Unternehmen in der Region Hildesheim wieder GRW-Mittel beantragen können, sind inzwischen 22 Bewilligungen durch das Land Niedersachsen ausgesprochen worden. Drei weitere Anträge befinden sich derzeit noch in der Bearbeitung durch die Niedersächsische Investitions- und Förderbank (NBank), bei der die Anträge gestellt werden müssen. Seit Beginn der Förderperiode verzeichnet die Region Hildesheim die meisten Förderfälle in Niedersachsen. Insgesamt wurden bislang mehr als 3,3 Millionen Euro Zuschüsse für diese einzelbetrieblichen Investitionsmaßnahmen bewilligt. Dieses entspricht einem Gesamtinvestitionsvolumen der Unternehmen von 23,5 Millionen Euro (Stand 12/2016).

Mit ihren Investitionen sichern die Betriebe nicht nur bestehende Arbeitsplätze, sondern sie schaffen auch neue – eine Voraussetzung, um in den Genuss der Fördermittel zu gelangen. Die bislang geförderten Unternehmen schaffen insgesamt 113 neue Dauerarbeitsplätze in der Region. „Wir sind mit unserer Zwischenbilanz sehr zufrieden – zum einen wegen der hohen Anzahl der Bewilligungen. Das werten wir auch als Erfolg der guten und koordinierten Unterstützung durch die Banken, Kammern und uns, die die Unternehmen durch die Antragstellung begleiten. Zum anderen wird das Instrument flächendeckend angenommen – es kommt also in der gesamten Region an“, so Simon Kreipe von der HI-REG.

Um noch mehr Unternehmen den Zugang zu den GRW-Mitteln zu ermöglichen, hat das Land Niedersachsen kürzlich die Rahmenbedingungen geändert. Mussten Unternehmen bislang ausgehend von der Mitarbeiterzahl bei Antragstellung 15 Prozent neue Arbeitsplätze schaffen, so ist diese Grenze nun auf zehn Prozent reduziert worden. Eine weitere Änderung gab es bei den förderfähigen Kosten. „Diese bemessen sich unter anderem an der Anzahl der neu geschaffenen Dauerarbeitsplätze. Hier werden jetzt 750.000 Euro pro neuem Dauerarbeitsplatz anerkannt“, erklärt Simon Kreipe.

Erleichterungen gibt es schließlich auch bei der Förderung von Unternehmen aus der Beherbergungsbranche. Um überhaupt Mittel beantragen zu können, mussten Hotels oder Gaststätten mit Gästezimmern bislang 50 Prozent ihres Umsatzes aus der Beherbergung erwirtschaften. Jetzt sind es nur 30 Prozent – das kommt vor allem Betrieben zugute, die ihren Schwerpunkt nicht in der Gästeübernachtung haben.

Sie interessieren sich für Fördermittel? Simon Kreipe und Kay Fauth helfen Ihnen gerne weiter.

Im Gespräch mit Friedrich Aly, Inhaber von Steinwolf Naturstein Lösungen

Flux nennt sich das großformatige Steinrelief, das Corian Siedentopf entworfen hat. Steinmetz Friedrich Aly hat das Kunstwerk in Quarzkomposit umgesetzt. Zu sehen ist Flux derzeit im Showroom des Hildesheimer Unternehmers und steht für dessen Möglichkeiten, auch ungewöhnlichen Ideen Gestalt in Stein zu verleihen. Foto: Joachim AltschaffelDas erste Unternehmen, das in der aktuellen GRW-Periode gefördert wurde, ist Steinwolf Naturstein Lösungen. Steinmetz und Bildhauermeister Friedrich Aly gründete 1998 seinen Betrieb als GBR und führt ihn seit 2005 als Einzelunternehmen. Von der Werkstatt in einem Hinterhof in der Nordstadt siedelte er im Jahr 2015 in einen repräsentativen Neubau im Gewerbegebiet Glockensteinfeld um, der es ihm auch ermöglicht, in einem Showroom die große Bandbreite seines handwerklichen Könnens zu zu zeigen. Mit 15 Mitarbeitern setzt er auch die anspruchsvollsten Kundenwünsche um und beschreitet innovative Wege in der Natursteinverarbeitung.

HI-REG: Sie sind seit fast 20 Jahren am Markt. Was treibt Sie an und wie sehen Sie Ihr Handwerk?

Friedrich Aly: Wenn man 17 Jahre lang in einem Hinterhof gearbeitet hat, dann muss man schon etwas Besonderes bieten, damit die Kunden zu einem finden. Die Frage war, wie setzen wir uns ab? Deshalb wollten wir mit unserem Produkt Naturstein eine Nische besetzen, die kein traditionelles Unternehmen für sich beansprucht. Wir setzen darauf, dass spezielle Kunden auch spezielle Handwerker suchen, die nachhaltig arbeiten. Und die Lösungen für Ideen finden, die sonst keiner bieten kann. Man muss einfach mal etwas wagen. Ich brauche immer wieder neue Herausforderungen.

HI-REG: Sie fertigen ganz traditionell den klassischen Grabstein, waren aber auch an der Sanierung der Michaeliskirche beteiligt. Und hier in Ihrem Showroom zeigen Sie ein großflächiges Wandrelief, das wie ein Kunstwerk inszeniert ist und wirkt. Wie wichtig ist Ihnen der künstlerische Aspekt Ihrer Arbeit?

Aly: Sehr wichtig. Ich bin ein Freigeist, habe eine Vision und setze sie um. Natürlich bekommt man nicht jeden Tag Aufträge, die einem diese Freiheit lassen. Ein Unternehmen braucht eine solide Auftragslage, die einem die Möglichkeit gibt, mit einem Kunden auch einmal ganz verrückte Ideen umzusetzen und sich kreativ auszutoben. Diesem Ziel bin ich jetzt schon ziemlich nah gekommen. Mittlerweile rufen Architekten jetzt mich an und fragen nach einer Zusammenarbeit.

HI-REG: Sie haben einen hohen Qualitätsanspruch und Ihr Unternehmen wächst. Wie finden Sie die entsprechenden Mitarbeiter?

Aly: Wir bilden selbst aus, anders geht es nicht. Zuletzt hatten wir drei Auszubildende, die wir alle übernommen haben. Aber auch Quereinsteiger haben eine Chance, wenn Sie engagiert sind und sich mit unserem Anspruch weiterentwickeln. Für mich ist meine Arbeit meine Berufung, doch das kann man nicht von jedem Mitarbeiter ebenfalls erwarten. Aber wir müssen exzellente Produkte schaffen und die beste Werbung ist immer noch, einen Job gut zu Ende zu bringen.

HI-REG: Vor kurzem haben Sie in ein CNC-Fräszentrum investiert, wofür Sie die Mittel aus der GRW-Förderung erhalten haben. Was ist der Hintergrund dieser Investition und welche Bedeutung hatte die Förderung für Sie?

Aly: Für das Elektronik-Unternehmen Sennheiser verkleiden wir Verstärker mit Marmor. Ein ganz tolles Projekt, bei dem Handwerk, Kunst und industrielle Fertigung kombiniert werden. Eine vollkommen neue Erfahrung für uns. Den Auftrag konnten wir aber erst mit dem Fräszentrum annehmen und die Fördermittel haben uns dabei sehr geholfen. Jetzt können wir auf der Fertigungsstraße die Gehäusehüllen in Serie produzieren. Dass wir die Fördermittel erhalten haben, betrachte ich auch als Wertschätzung gegenüber dem Unternehmen und unserer Leistung. Es ist schön, dass man für ein Risiko, das man eingeht, ein bisschen unterstützt wird. Wir sind wirklich stolz darauf, dass wir zum Zuge gekommen sind.

HI-REG: Sie sind vor zwei Jahren mit Ihrem Unternehmen hier ins Glockensteinfeld gezogen. Was hat Sie zu diesem Standortwechsel bewogen und wie hat er sich ausgewirkt

Aly: Der Umzug war notwendig geworden, schon alleine durch die logistischen Anforderungen. Wir bekommen durchschnittlich fünf Tonnen Stein in der Woche, große Platten, die bewegt werden müssen. Dadurch konnten wir auch Abläufe und die Arbeitssicherheit optimieren. Und letztlich profitieren wir von der Lage an der Autobahn. Wir werden besser wahrgenommen, haben mehr Zulauf. Und für den Showroom haben wir schon viel Anerkennung erhalten. Der neue Standort war eine gute Entscheidung.