Waschmaschinen, die denken können

Werksleiter Michael Tielke sorgt mit seinem Team dafür, dass Großwaschmaschinen denken können. So arbeiten sie kosteneffizient und schonen die Ressource Wasser. Möglich ist dies durch ein perfektes Zusammenspiel digitaler Prozesse. Foto: von Ditfurth

Michael Tielke steht vor einer Stahlröhre, die Ring für Ring zu einer meterlangen Waschmaschine heranwächst. Der Werksleiter zeigt die vielen Leitungen mit Wasserzählern, die wie kleine Computer aussehen – „das ist eine sehr filigrane Technik“, sagt er. Beim Waschtechnik-Anbieter Kannegiesser am Produktionsstandort Sarstedt hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Hier werden bis zu 25 Meter lange Waschstraßen gebaut, die digital steuerbar sind. Eine große Datenbank sorgt dafür, dass die Waschmaschinen „denken können“.

„Der Mensch muss am Anfang nur noch eingeben, um welche Art von Wäsche es sich handelt“, erklärt Werksleiter Tielke, „alles andere macht die Maschine von alleine. Sie weiß genau, wieviel Waschmittel, welche Temperatur und wieviel Wasser die Wäsche braucht.“ Durch eine genaue Überwachung des Waschprozesses ist es Tielke und seinen Mitarbeitern gelungen, den Wasserverbrauch auf zwei bis fünf Liter pro Kilogramm Wäsche zu reduzieren. Das Schmutzwasser wird aufbereitet und wiederverwendet. Für die Kunden zählt jeder Cent, der gespart werden kann.

„Die Wäschereien stehen unter einem enormen Kostendruck“, erzählt Tielke. „Die Abwasserkosten sind in Deutschland sehr teuer, da sollen Ausgaben möglichst vermieden werden.“ Aber die Kunden der Firma Kannegiesser sitzen nicht allein im deutschsprachigen Raum, sondern auf der ganzen Welt. „Wir liefern überall in die EU und auch der Markt Richtung Asien wächst stetig“, sagt Tielke. Überall da, wo große Hotelketten oder Krankenhäuser sind, wird intelligente Waschtechnik gebraucht. „Die Zyklen in der Wäscherei werden immer kürzer. In Zukunft wird sich die gesamte Vernetzung der Wäscherei noch weiter verändern“, sagt Tielke. „Es geht darum, den Prozess noch genauer steuern zu können.“

Möglich machen das unzählige Sensoren und Zähler an der Waschmaschine, die mit ihren Messwerten eine riesige Datenbank füttern. Die Software-Entwickler der Firma Kannegiesser leiten daraus sparsame Programme ab und sorgen dafür, dass die Waschmaschine gleichmäßig arbeitet. „Wir können heute eine Waschmaschine so steuern, dass sie ideal ausgelastet ist“, sagt Tielke. Pro Waschkammer werden bis zu 130 Kilogramm Wäsche in nur drei Minuten verarbeitet. Der Bediener kann auf dem Bildschirm jederzeit sehen, was in der Maschine passiert und einzelne Daten überprüfen, zum Beispiel welchen pH-Wert das Wasser hat.

Maschinenbau-Ingenieur Tielke weiß, was dazugehört, damit Digitalisierung in dieser Größenordnung gelingt: „Eine gepflegte Datenlage gehört dazu. So eine komplexe Steuerung gelingt nur, wenn alle strukturiert und präzise arbeiten.“

Für den Software-Entwickler Jan Wedemeier ist die Beherrschung großer Datenströme Alltag. Seine Herausforderung ist die Darstellung aller Informationen auf dem Bildschirm des Kunden. „Die Bedienerfreundlichkeit ist die große Kunst“, sagt er. Für das Personal in den Wäschereien kommt es darauf an, einen möglichst einfachen Überblick über die Funktion der Maschine zu haben. Genau darin sieht Tielke den Fortschritt des digitalen Wandels, nämlich die Dinge einfacher zu machen. „Der große Datenfluss macht manche Probleme erst sichtbar“, sagt er. Und was als Problem erkannt wird, kann gelöst werden: „Die Digitalisierung trägt dazu bei, dass wir die Auslastung der Maschinen besser planen können und die Verbrauchskosten extrem senken.“

 

Nicht nur Unternehmen müssen sich dem digitalen Wandel stellen. Lesen Sie hier unser Interview mit dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar, in dem er beschreibt, wie die digitale Revolution unser aller Leben verändert.